| Wir brechen später auf als sonst, denn der Abend mit Renate hat etwas länger gedauert. Aber das nächste Ziel ist nicht weit weg. Fünfzig Kilometer Asphalt und neun Kilometer 4WD-Track, das schaffen wir mit Links. Hahaha! Das Abenteuer beginnt kurz nach dem Abbiegen auf den Track. Unvermittelt stehen wir vor dem Reynold River, der uns breit und tief den Weg abschneidet. 0,70 Meter Wassertiefe zeigt die Messlatte an. Wir zögern. Zurück? Zu spät! Also hindurch. Die Räder graben sich durch die Steine des Flussbetts, das Wasser steigt in den Fußraum, wo Kamera und Handtasche liegen. Ich rette beides kurz vor dem Absaufen. Bei nächster Gelegenheit stellen wir den Wagen mal links, mal rechts schräg, damit das Wasser aus den Ladeklappen und vor allem aus dem Fahrerhaus abfließen kann. Erst jetzt fällt uns ein, dass wir für diesen Track hätten die Genehmigung unseres Autovermieters einholen müssen. Das Hindernis hat den positiven Nebeneffekt, dass es auf dem von uns angesteuerten Campingplatz fernab fast aller Zivilisation, nur mit WC und kalter Dusche, sehr ruhig ist. Die sieben(!) Plätze liegen weit voneinander entfernt, sind großzügig bemessen und nicht alle belegt. Wir packen die Badesachen ein und marschieren auf einem rauen Pfad zum nächsten Billabong bei den Tjaynara Falls. Endlich haben wir einen Pool so groß wie zehn Schwimmbecken inklusive eines fünfzig Meter hohen Wasserfalls ganz für uns allein. Wir genießen den Abend auf dem idyllischen Campingplatz inmitten unverfälschter Natur, plaudern mit anderen Campinggästen und versuchen, unsere Melancholie zu vertreiben. Der Mond beleuchtet unsere Schritte zum eigenen Campingwagen. Es ist ganz still hier. Eine Stille, die in unseren Ohren dröhnt, weil die Hintergrundgeräusche unserer heimischen Umgebung fehlen. Eine Kröte kreuzt meinen Weg, irritiert durch meine Stirnleuchte bleibt sie stehen. Ich hocke mich vor sie, stupse mit dem Zeigefinger ihre Nase an. Sie legt den Kopf schief, zuckt zusammen und springt flugs in die Dunkelheit. Es gibt Momente, in denen man wünscht, dass die Zeit stehen bleibt. Nur noch fünf Tage, dann startet unser Flugzeug. |
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