10. Mai: Alles Fisch in der Shark Bay (1/3)
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Am Morgen ein Himmel wie Aquarell, als wir gen Norden starten. Roadtrains dröhnen an uns vorbei. Wollen wir in unserer Richtung eines dieser Ungetüme überholen, brauchen wir einen kräftigen Atem und gute Sicht, denn sie sind bis zu fünfundvierzig Meter lang. Nur selten erreicht ein Hauch von Oregano das Fahrerhaus und bringt zumindest geruchlich Abwechslung in die Eintönigkeit. Wir sind seit vier Tagen unterwegs und haben unseren Rhythmus gefunden. Die Umgewöhnung von unserer großzügigen Wohnung auf acht Quadratmeter mobile Wohnfläche brauchte ihre Zeit. Dafür reicht unsere Terrasse bis zum Horizont und nicht nur bis zur Hecke. Wir haben alles untergebracht, doch immer wieder sortieren wir Kartons und deren Inhalte um, weil wir ausgerechnet jene Gegenstände zu unterst eingeräumt haben, die wir dringend brauchen. Nach etwa vierhundert Kilometern monotoner Fahrt auf endlosen schnurgeraden Straßen, nur unterbrochen von einem Spaziergang zum Muschelstrand, wo wir erneut von Fliegen überfallen werden, erreichen wir das beste Anglereldorado Westaustraliens: Die Shark Bay bei Denham. Der Fischreichtum in dieser Bucht ist enorm. Auf den Straßen fallen die vielen Off-Road-Fahrzeuge mit großem Hubraum auf, mit mindestens zwei Antennen an der Stoßstange (vermutlich Kurzwellenfunk), auf dem Dach mehrere Halterungen für Angeln, und am Haken ein Motorboot mit mindestens 120 PS. Mit unserem 3-Liter-V6-4WD sind wir dagegen schwachbrüstige Zwerge. Am Strand präsentieren uns die Petrijünger stolz ihre Fänge: Kapitale Fische, die bis zu zwanzig Kilogramm auf die Waage bringen. Wir bekommen Hunger und machen uns auf den Weg zum Campingplatz. Dort warten auf uns nicht nur Tortellini, Hackfleisch und Salat, sondern auch lebhafte Gespräche am „Barbie“ mit anderen Campern.  
 
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