| Wer nach 06:00 Uhr aufsteht, hat schon verloren, denn die Sonne steigt unaufhaltsam und heizt die Luft auf 40° C auf. Um nicht schon frühmorgens zu schwitzen, frühstücken wir in Zeitlupe und brechen erst um kurz nach 08:00 Uhr zu unserem morgendlichen Game Drive auf. Es dauert eine Weile, bis wir einen Flussarm mit Wasser erreichen, in dem tierisches Leben herrscht. Büffel saufen aus dem Fluss, bis eine Elefantensippe herbeistürmt und sie wild trompetend vertreibt. Mit eingekniffenen Schwänzen ziehen die Büffel den Kürzeren und verschwinden im Busch – diese Feiglinge. Wir kommen zu spät am Stausee an, um Vögel beobachten zu können. Doch ein Kormoran breitet dekorativ sein Gefieder zum Trocknen aus, so dass wir nicht ganz umsonst Halt gemacht haben. Außer den üblichen Impalas sichten wir Pferdeantilopen, verdeckt im Gebüsch Zebras und Elefantenfamilien. Wir bleiben jedes Mal stehen, um die Dickhäuter zu beobachten, weil ihr Verhalten uns fasziniert. Erlaubt sei mir ein Satz zu den Zebras, die bei unserem Anblick jedes Mal die Flucht ergreifen, so dass wir nur ihre knackigen Hinterteile ablichten können. Was wollen sie uns damit sagen? Im Konferenzcenter der Mopani Lodge kaufen wir zwei Stunden WiFi und laden endlich die Einträge und Fotos seit Beginn unserer Reise hoch. Uns wird bewusst, dass wir schon viel gesehen und erlebt haben. Im Restaurant mit Blick auf den Stausee lassen wir uns eine afrikanische Zubereitung aus Huhn schmecken, deren Gewürzmischung annähernd an Curry erinnert. Machen wir vor Sonnenuntergang noch einen Game Drive oder fahren wir zum Duschen auf den Campingplatz? Die Entscheidung darüber nimmt uns eine unübersehbar große Herde Büffel ab, die im Gänsemarsch die Straße überquert. Das dauert, denn es sind Hunderte, die unbeirrt ihren Weg gehen. Wir haben Urlaub und sind nicht auf der Flucht, warten also eine ganze Weile, bis die Sippe die Seiten gewechselt hat, und fahren dann ins Tsendze Camp zurück. Ich bin froh, nicht mehr kochen zu müssen, denn die Temperaturen sind auch nach Sonnenuntergang kaum zu ertragen. So sitzen wir noch lange in der afrikanischen Nacht. Um uns herum herrscht Stille, sofern wir die Zikaden nicht mitzählen. Auch die Buben vom Nachbarplatz haben sich verkrochen. Wir lieben diese Abende im Busch fernab der Zivilisation, vor allem wenn wir auf einen Tag zurückblicken können, der uns außergewöhnliche Eindrücke beschert hat. Es wird uns schwerfallen, irgendwann darauf verzichten zu müssen. Herbert sagt, ich soll das Laptop schließen. Er hat Recht, denn ich habe in der Dunkelheit Probleme, Käfer und Curser auf dem Bildschirm zu unterscheiden. Nein, am südafrikanischen Wein liegt das nicht. Ehrenwort! |
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